SPIELPLAN

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 44/04 vom 27.10.2004

Zwischen Grinzing und Breitensee liegen sieben Berge", schreibt H.C. Artmann. "Aus diesem Grund war ich erst mit vierzig zum ersten Mal beim Heurigen." In intimer Buschenschankatmosphäre geht die neue Produktion im Rabenhof in Szene: Das Publikum sitzt auf Heurigenbänken, der Schauspieler Rudi Widerhofer gibt eine servil-depressive Hans-Moser-Kunstigur (Oberkellner mit Dienstmannkappe); er serviert lustlos Jägermeister und Mannerschnitten, er singt die "Reblaus" und rezitiert Artmanns autobiografische "Nachrichten aus Nord und Süd". Dreieinhalb Jahre nach der schönen Artmann-Inszenierung "Erlaubent Schas, sehr heiß bitte!" steht im Rabenhof der Abend "Erlauben bitte: Ich" (bis 18.12.) auf dem Spielplan. Der Grazer Regisseur Ernst M. Binder schließt den Wien-Archetypen Hans Moser mit der Wien-Poetik Artmanns kurz, der interessante Plan geht allerdings nicht so recht auf: Obwohl eh nicht viel passiert, wirkt die kleine Aufführung gekünstelt.

Aus den Lautsprechern kommt altertümlicher Jazz wie in einem Woody-Allen-Film, unbeschwert schwingen drei Burschen die Baseballschläger: Davon, dass in Europa der Zweite Weltkrieg tobt, ist in New York 1944 nicht viel zu merken. Von den Gräueln des NS-Regimes erzählt Rudolf Herfurthners Stück "Geheime Freunde" (bis 20.12.) aus der Distanz und um die Ecke: Teenager Alan hat die schwierige Aufgabe übernommen, sich um das merkwürdige Nachbarskind Naomi zu kümmern. Seit ihr Vater vor ihren Augen von den Nazis zu Tode geprügelt wurde, leidet das Mädchen unter einem schweren Trauma; Alan versucht, ihr Vertrauen zu gewinnen. Die ungewöhnliche Liebesgeschichte, die sogar ohne Happy End auskommen muss, wird im Theater im Zentrum für Besucher ab elf Jahren gespielt; die beiden Hauptdarsteller (Dennis Cubic, Silvia Meisterle) sind ein sympathisches Paar, dem Regisseur Frank Panhans ruhig ein bisschen mehr Romantik hätte gönnen können.


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