Trutscherls Trauma

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 44/04 vom 27.10.2004

THEATER Anna Maria Krassnigg inszenierte in der Josefstadt eine Neufassung von Schnitzlers "Fräulein Else". Nicht einmal ein Skandälchen. 

Ein reicher Mann bietet einer jungen Frau Geld, wenn er sie dafür nackt sehen darf. Was in Hollywood "Ein unmoralisches Angebot" war, heißt bei Arthur Schnitzler "Fräulein Else" und ist etwas komplizierter: Es sind die Spielschulden ihres Vaters, für die Else sich prostituieren soll. Zieht sie sich aus, verliert sie ihre Würde. Zieht sie sich nicht aus, muss Papa ins Kriminal. Was tun? Über dieser Frage verliert Else beinah den Verstand und schließlich ihr Leben: Endstation Veronal.

  Als die Novelle 1924 erschien, war Schnitzler 62 Jahre alt; heutzutage würde man dem Autor eines solchen Textes wohl "Altmännerfantasien" attestieren, obwohl das natürlich Unsinn wäre. Dennoch hat die Attraktivität, die der Stoff für Film und Bühne darstellt, zunächst wohl ganz schlicht mit dem voyeuristischen Thrill des Plots zu tun. Die Novelle wurde


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