DIE REISE DES JUNGEN CHE

Revolutionär am Selbstfindungstrip

Politik | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 45/04 vom 03.11.2004

Macht vielleicht das Kino möglich, wovon Ernesto Guevara als junger Mann geträumt hat? Nein, eine Revolution gewiss nicht. Dazu ist "Die Reise des jungen Che" (Originaltitel: "The Motorcycle Diaries") viel zu beschaulich, viel zu bequem und viel zu sehr auf ein internationales Publikum bedacht. Und doch schafft es dieser Film, im übertragenen Sinn zumindest, die vielen "Amerikas" zu vereinen. Denn inszeniert wurde dieses argentinisch-peruanisch-chilenische Gemeinschaftsprojekt von Walter Salles, dem brasilianischen Oscar-Regisseur, und co-produziert von keinem Geringeren als Robert Redford.

  In prächtigen Bildpanoramen zeichnet der Film die Route jener Reise nach, die den idealistischen Medizinstudenten und seinen Freund, den heute 83-jährig auf Kuba lebenden Alberto Granado, 1952 quer durch den lateinamerikanischen Kontinent führte. Doch was aus bloßer Abenteuerlust beginnt, wird für die Jungs nach und nach mehr zum Selbstfindungstrip. Je länger sie unterwegs sind, umso klarer sieht Ernesto die erbärmlichen Verhältnisse, in denen die Minenarbeiter, Bauern und Ureinwohner des Landes leben. Endpunkt ihrer Reise ist eine Lepra-Station, in der Ernesto und Alberto einige Wochen als Pfleger helfen, bevor sich ihre Wege schließlich trennen.

  Für diesen Abschied - die Entscheidung zwischen Wort und (revolutionärer) Tat - findet der Film ein gleichermaßen simples wie stimmiges Bild. Zwischen den Hütten der Ärzte und den Baracken der Kranken liegt der Amazonas. In der Nacht seines 24. Geburtstags springt Ernesto in den Fluss und krault hinüber ans andere Ufer. "Ich spüre, ich bin nicht mehr derselbe", so der Kommentar aus dem Off, "zumindest in meinem tiefsten Innern nicht." Alberto ruft den Freund zurück, aber vergebens. Che ist schon unerreichbar geworden.


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