Das System der Hölle

KLAUS TASCHWER | Politik | aus FALTER 45/04 vom 03.11.2004

POLITISCHES BUCH Nach sechzig Jahren erschienen: Paul M. Neuraths hellsichtige soziologische Erinnerungen an seine schreckliche Zeit im KZ. 

Nicht bewegen, oder ihr werdet erschossen! Nicht aus dem Fenster schauen, oder ihr werdet erschossen! Mund zu, oder ihr werdet erschossen!" Mit diesen Drohungen schikanierte der SS-Mann im Zug die ersten 150 Österreicher, die am 1. April in das Konzentrationslager Dachau gebracht wurden; es war der so genannte Prominententransport, in dem sich führende Repräsentanten des Ständestaats ebenso befanden wie Sozialdemokraten und Juden, deren Verwandte erpresst werden sollten.

  Einer der 150 "Auserwählten" war der damals 27-jährige Paul Martin Neurath, der, womöglich bloß wegen einer Verwechslung mit seinem Vater, dem sozialistischen Philosophen, Ökonomen und Museumsgründer Otto Neurath, verhaftet und am Westbahnhof in den Zug zur Hölle hineingeprügelt worden war. Die nächsten 14 Monate wurden für den eben promovierten Juristen zur härtesten

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