Wohnhaft: Celovec

Medien | NINA WEISSENSTEINER | aus FALTER 45/04 vom 03.11.2004

SLOWENEN Mit seiner Anti-Ortstafel-Politik hat es Jörg Haider zu einem kuriosen Telefonbucheintrag gebracht. 

Seit mittlerweile drei Jahren ignoriert Jörg Haider das Ortstafelurteil des Verfassungsgerichtshofs und legt sich gegen zusätzliche zweisprachige Schilder in Kärnten quer. Bisher mit Erfolg. Erst unlängst, nachdem sich Bund, Länder und Gemeinden über den Finanzausgleich geeinigt hatten, versprach der Freiheitliche wieder, es werde sicher "keine neuen Ortstafeln geben, aber dafür mehr Geld für Kärntens Gemeinden".

  Doch ein kleiner Eintrag im elektronischen Telefonbuch, das der Anbieter Herold gemeinsam mit der Telekom Austria betreibt, dürfte dem Kärntner Landeshauptmann bei seinem Kampf um die Reinheit der deutschen Sprache bisher verborgen geblieben sein: Sucht man unter www.herold.at Jörg Haiders Adresse und Telefonanschluss, spuckt das Verzeichnis als letzte Zeile statt "9020 Klagenfurt" doch glatt "9020 Celovec" aus, also die slowenische Bezeichnung für die Landeshauptstadt.

  Zu so einem Eintrag haben es bisher nicht einmal die aufsässigsten Slowenenvertreter gebracht. Wer auf einen zweisprachigen Vermerk im Telefonbuch besteht, muss dafür nämlich extra blechen, und eine ausschließlich slowenischsprachige Ortsangabe gibt's schon gar nicht, höchstens Probleme mit der Postzustellung, weiß Rudi Vouk, Obmannstellvertreter des Rates der Kärntner Slowenen und jener Anwalt, der einst mit einem juristischen Trick das Ortstafelurteil des Höchstgerichts erwirkte.

  Also alles nur eine Frage der Beziehungen? Wollte der Kärntner Landeshauptmann damit am Ende vielleicht gar klammheimlich ein politisch korrektes Signal setzen? "Sicher nicht", ist ein Insider beim Telefonbuchanbieter überzeugt, "da waren ein paar Spaßvögel am Werk, die Haider die slowenische Bezeichnung einfach untergejubelt haben." Also doch ein Machwerk übel gesinnter Partisanen.


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