"Einmal war genug"

Kultur | ROBERT ROTIFER | aus FALTER 45/04 vom 03.11.2004

POP BIO Die "Masters of War" als Kinder der "Seeräuber-Jenny": Im ersten Band seiner "Chronicles" legt Bob Dylan so manchen Bluff offen. 

Schon nach den ersten zwei Seiten der Lektüre dieses ersten Bands von Bob Dylans "Chronicles" verspürt man eine mächtige Erleichterung. Der Autor hat sich gerade erfolgreich durch eine Schilderung eines Wintertags im Manhattan der frühen Sechzigerjahre manövriert, die Klischees der dampfenden Kanaldeckel mit den Hasenfellohrenschützern der Passanten kontrastiert und einen geistigen Kameraschwenk ins Büro des Musikverlegers Lou Levy vollführt, wo sein jüngeres Ich nervös an einer Gitarre herumfummelt. Die größte aller Befürchtungen wird von dem eisig kalten New Yorker Wind, der spürbar durch diese Zeilen weht, eindrucksvoll weggeblasen: Dylan wird seinen Ruf nicht ruinieren, er kann Prosa.

  Dass Dylans Erzählung sich nicht der Chronologie der Ereignisse unterwirft, hat nichts mit einem Mangel an Disziplin zu tun. Die von sprunghaften


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