Fragen Sie Frau Andrea

Stern am Gürtel

Stadtleben | aus FALTER 45/04 vom 03.11.2004

Liebe Frau Andrea!

Mein Freund Ruda, ein echter Wiener, ist voll verliebt in Prag und Amsterdam. Ruda läuft im schwarzen Anzug rum, seine langen Haare hat er sich erst vor wenigen Jahren schneiden lassen. Er leistet sich, mit einem Gürtel rumzurennen, auf dessen Blechverschluss ein fünfzackiger Stern profiliert in die Gegend blinkt. Vermutlich ein modisches Relikt der Siebzigerjahre. Er behauptet, dieser Gürtel stamme von einer sowjetischen Offiziersuniform. Flunkert Ruda mich an, oder könnte das stimmen? Zumal auch Sie langes Haar tragen und einen Orden mit einem fünfzackigen Stern lieben, erwarte ich dankbar Ihre Beantwortung meiner Anfrage.

Herr Kurt Vallaster, Internet

Lieber Herr Kurt,

die Messingkoppel am Gürtel Ihres Freundes Ruda ziert allerdings ein sowjetischer Stern. Dieses Militäraccessoire konnte man nach dem Zerfall der Sowjetunion auf den Kalte-Krieg-Devotionalienstandeln in Berlin, Prag, Budapest, Sankt Petersburg und Moskau abgreifen. Zusammen mit allerlei Russenmützen, Parteitagsorden, Fliegeruhren und anderen schicken Sowjetsouvenirs. Der rote Stern, das Symbol des Sowjetimperiums hat eine rührend profane Geschichte. Ein roter Stern war (zufällig) das Reedereizeichen jener britischen Werft, die die Aurora gebaut hatte, jenen Kreuzer, der den Startschuss zur Erstürmung der Sankt Petersburger Eremitage abfeuerte und damit die Oktoberrevolution einläutete.

dusl@falter.at


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