PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Gedemütigt masturbieren

Stadtleben | aus FALTER 45/04 vom 03.11.2004

... Als der erste der Brüder gestorben war, führten sie den zweiten zur Folterung ...

2 Makk 7,1-2.7a.9-14

(1. Lesung am 32. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres C)

Wenn dir gerade eine Grenze gezogen wurde, unerbittlich, ist es dir kaum möglich, zu masturbieren. Lustlos hängt der Beidl rum, und wenn im Tageslauf das Wichsen drankäm, denkst du meistens gar nicht dran beziehungsweise zupfst du unmotiviert an ihm herum, und denkst im Kopf daran, dass dir gerade Mores gegeben worden sind. Nämlich wenn dir recht geschieht, mit der Schmach, die du erleidest, hast du keinen Steifen. Geschähe dir ein Unrecht, also würdest du für Mord ins Gefängnis geworfen, und du hättest niemand ermordet, ist ja so was eine Wonne. Aber wenn du im diffusen sozialen Bereich irgendwie zu Recht gekiefelt wurdest, und es ist so an der Kippe, dass du auch ein Unrecht daraus machen könntest, aber in der Membran zum Unbewussten vibriert ein leichtes Einverständnis, dass du es einsehen könntest, dass dir diese Grenze gezogen wurde, aber du hast dich noch deklariert vor dir, wie es dir gelänge, ein Gesicht zu wahren, oder in völligster Auflösung vor deine Peinys zu kriechen und dich aufzulösen unter dieser bisherigen Gestalt, und zu flehen in neuer Gestalt, weiterleben zu dürfen.

  Die Schmach an der Kippe gestattete mir eine ordentliche Reihe von Tagen hindurch jetzt nicht, zu wichsen. Ich wichse nämlich immer, zertrümmert zu werden vom Liebreiz einer Drecksau, und dann spreize ich mich diesem versauten, gedachten Typen in unendlicher Ergebenheit und wichse der Zermalmung entgegen: Mein Geschlechtsteil wird zum Bersten voll und ich schone mich nicht. Das funktioniert, wenn auch nur ein winziger Fetzen versauter Blue Jeans an der Straße vorbeihuscht. Und diese Jeans zu dem Körper des Typen, der sie trägt, in einem - bewusst oder unbewusst, egal - inszenierten Verhältnis gestellt wurde. Also nicht deshalb angezogen wurde, weil alle etwas anhaben, respektive es kalt ist, und grad nichts anderes zur Hand war. Also solche versauten Jeans sind meiner Lebenserfahrung nach nie "zur Hand", sie werden immer sehr sexuell besorgt. Und ich sitze auf einer Bank und träume, auf Vorrat zertrümmert zu werden.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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