Der Faktor Gott

Politik | RAIMUND LÖW / Washington | aus FALTER 46/04 vom 10.11.2004

USA George W. Bush ist kein Ayatollah, die USA sind kein Gottesstaat. Doch Amerikas praktizierende Christen radikalisieren sich. Werden sie das liberale, aufgeklärte Amerika verändern können? Eine Analyse aus den USA. 

In den frühen Abendstunden des Wahltages wehte der Hauch eines Regimewechsels durch die Newsrooms der TV-Stationen. Den Redaktionen lagen Exit-Polls mit beträchtlichen Vorsprüngen des demokratischen Herausforderers John F. Kerry vor. Plötzlich bekam es einen ganz eigenen Reiz, "Fox News" zuzusehen, dem regierungsnahen US-Nachrichtenkanal Rupert Murdochs. Stundenlang debattierten dort Experten, wann denn der Niedergang der Bush-Administration eingesetzt habe. Mit den Enthüllungen über die fehlenden Massenvernichtungswaffen im Irak? Oder schon mit dem Krieg an sich?

  Eine virtuelle Diskussion, wie sich wenig später herausstellte. Die teuren Meinungsforscher hatten einen überproportionalen Anteil von Frauen in ihre Stichproben aufgenommen. Und die tendieren mehrheitlich


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