Das Trauma leben

Politik | NINA WEISSENSTEINER | aus FALTER 46/04 vom 10.11.2004

NS-AUFARBEITUNG Seit zehn Jahren betreut der Verein Esra Holocaust-Überlebende und jüdische Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion. So auch den 85-jährigen Kurt Teller. Die Geschichte eines späten Heimkehrers. Das Trauma leben

Am 20. Oktober 1939 verfrachtete eine Einheit der Schutzstaffel in Wien 912 Juden in einen Zug. Die braunen Schergen machten die hilflose Menge mit scharfen Hunden gefügig, drängten die Menschen auf dem Bahnsteig schreiend voran. Mitten in dem Trubel verabschiedete sich ein junger Mann unter Tränen von seinem Vater: Kurt Teller, zwanzig, aus der Leopoldstadt.

  Es sollte das letzte Mal sein, dass die beiden einander sahen. Und es sollte mehr als sechzig Jahre lang dauern, bis Kurt Teller mit einem Zug aus Moskau und ein paar Koffern wieder heimkam.

  Das war im Jahr 2000. Heute sitzt Kurt Teller in der Kantine des Vereins Esra im zweiten Bezirk. Aus dem jungen Mann von damals ist ein Greis geworden. Während der 85-Jährige seine Geschichte erzählt,


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