SPIELPLAN

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 46/04 vom 10.11.2004

Mehr als vierzig Jahre nach seiner Entstehung wurde "der schweissfuss" von Konrad Bayer und Gerhard Rühm im Volkstheater uraufgeführt. Die zwischen 1959 und 1962 geschriebene "Operette" ist ein genrekritischer Ulk: Die rudimentäre Handlung (eine Schweißfußepidemie in einem überfüllten Hotel) ist sinnfrei, die Personen sind nach den Namensheiligen aus einem Z-Kalender (Makarius, Genoveva, Simeon) benannt, Entstehungsprozess und Aufführungssituation werden permanent thematisiert. Der Text - nachzulesen im "Wiener Gruppe"-Reader bei Rowohlt - ist vergnügliche Lektüre; weil der formale Witz aber längst einen Bart hat, muss man sich schon sehr genau überlegen, wie man das heute noch auf die Bühne bringen kann. In Michael Wallners biederer Low-Budget-Inszenierung (gespielt wird auf der Vorbühne und im Zuschauerraum, das Publikum sitzt auf der Bühne), in der die Schauspieler stets augenzwinkernd die "Ironie" mitspielen, hält sich der Spaß jedenfalls in Grenzen.

Reinhard Nowak spielte in den Achtzigerjahren bei der legendären Gruppe Schlabarett mit Alfred Dorfer und Roland Düringer zusammen. Heute leidet Nowak unter dem Ringo-Starr-Syndrom: Jeder mag ihn, aber keiner will ihn solo sehen. Seine Karriere als Solokabarettist hatte 1996 ("Einer muss der Nowak sein") viel versprechend begonnen, geriet dann aber ins Stocken; daran wird sich auch nach seinem vierten Programm "Sport" wohl nichts ändern. Im Kabarett Niedermair erzählt Nowak die vermutlich stark autobiografisch gefärbte Geschichte eines Freizeitsportlers, der im Lauf der Zeit so ziemlich "alles außer Landhockey, Hammerwerfen und Synchronschwimmen" ausprobiert hat und in keiner Disziplin ein echter Siegertyp war. Die Idee wäre nicht schlecht, aber Text (Co-Autor: Klaus Pieber) und Performance sind nicht abendfüllend. Um es in der Sprache des Sports zu formulieren: Reinhard Nowak ist ein wertvoller Mannschaftsspieler, dem der Zug zum Tor fehlt.


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