Normaler, als wir wollen

KURT BAYER | Vorwort | aus FALTER 47/04 vom 17.11.2004

KOMMENTAR Die amerikanischen Wähler denken nicht so eindimensional, wie das viele Experten - auch im "Falter" - darstellen. 

Wer in den europäischen Medien die Analysen der Präsidentschaftswahl in den USA studiert, dem fällt eines auf: Die Versuche der Journalisten und Experten, darunter auch die drei Falter-Autoren der Ausgabe 46/04, die "wahren" Hintergründe der Wiederwahl von George W. Bush aufzudecken, scheinen vielfach vom Wunsch getragen, besonders eindimensionale und - für Europäer - besonders eigenartige und krasse Erklärungsmuster heranzuziehen. Die einen beschwören ausschließlich die "Wertediskussion" (Homo-Ehe, Stammzellenforschung, Abtreibung, Familie), die anderen die Religiosität, die dritten die Wirtschaft ("It's the economy, stupid!"), die vierten den Irakkrieg. Damit tappen sie in dieselbe Falle wie vor den Wahlen, als die amerikanischen Bundesstaaten von den Wahlkampfstrategen und den Kommentatoren in deren Gefolge pauschal in rote und blaue eingeteilt wurden.

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