STANDPUNKT

Schieflage

Politik | aus FALTER 47/04 vom 17.11.2004

Krank sein wird teurer: Wegen des neuen Gesundheitspakets, das die Regierung mit schwarzen, roten und blauen Ländern ausgehandelt hat, werden Patienten für ihre Versorgung künftig mehr blechen. Populisten können nun laut "Skandal" schreien, doch so einfach ist die Sache nicht. Das Gesundheitssystem leidet an der Überalterung der Gesellschaft, außerdem werden die Behandlungen dank des technischen Fortschritts immer teurer. Erstklassige Spitäler sollten den Leuten einen Griff in die Tasche wert sein. Gegen eine saftige Erhöhung des Krankenkassenbeitrags sträubt sich aber die Regierung, also muss gespart werden - und dabei trifft es oft die Falschen. So wurde der sinnvolle Plan, so genannte Generika, billige Kopien teurer, originaler Medikamente, mit einem Rabatt bei der Rezeptgebühr zu forcieren, aufgegeben. Stattdessen müssen Brillen- und Kontaktlinsenträger künftig mehr für ihren Sehbehelf zahlen. Das Gesundheitssystem gerät in eine Schieflage: Ob Brille oder auch Zahnersatz - teurer werden gerade jene Leistungen, auf die man nicht verzichten kann. Gespart wird am falschen Ende. Denn sicher könnten sich die immer noch bestens versorgten Österreicher das eine oder andere überteuerte Medikament, manchen zu langen Spitalsaufenthalt oder gelegentlich überflüssige Arztbesuche verkneifen. Beißen und sehen soll hingegen jeder können dürfen. G. J.


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