AUFGEBLÄTTERT

Kultur | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 47/04 vom 17.11.2004

Schon oft wollte er von seiner Jugend erzählen, habe es aber "nie gewagt", schreibt Michail Kalaschnikow. Sein um 1949 entwickeltes AK-47 war das am weitesten verbreitete Gewehr in den heißen Zonen des Kalten Kriegs. In seiner Autobiografie dokumentiert der vor 85 Jahren geborene Waffenkonstrukteur ein Trauma, das seine vorauseilende Anbiederung an den Stalinismus motiviert und den Autodidakten zum führenden Militärtechniker seines Landes gemacht hat. "Mein Leben" erzählt von einem Vorzeigebürger der UdSSR - dienstbeflissen, opportunistisch und als Deputierter des Obersten Sowjet auch auf politischer Ebene für eine Ordnung aktiv, die seine Familie 1930 um Hab und Gut gebracht hatte. Michails Eltern waren Gutsbesitzer, Kulaken. Stalin ließ ihre soziale Kaste vernichten, nach Sibirien deportieren, wo der Vater auch starb. Statt sich aufzulehnen, flüchtete der junge Michail in den Bauch des Staatsapparats, um eine Bilderbuchkarriere hinzulegen. Seine Herkunft musste er verdrängen,


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