Fragen Sie Frau Andrea

Arafats Tuch

Stadtleben | aus FALTER 47/04 vom 17.11.2004

Liebe Frau Andrea,

sicher wissen Sie mehr über die seltsam gewickelte Kopfbedeckung, die der kürzlich verstorbene Palästinenserführer Arafat zeit seines Lebens auf dem Kopf trug.

Liebe Grüße, Nina Berger

Liebe Nina,

Yassir Arafats schwarzweiß gemustertes Schaltuch ist eine Kefije. Sie wurde ursprünglich von arabischen Beduinen als Sonnenschutz getragen. Die Kefije wird zu einem Dreieck gefaltet, wie eine Perücke auf den Kopf gelegt und mit einem Agal, einer fingerdicken Schnur aus Wolle oder Kamelhaar, befestigt. Rotweiße Kefijes werden von Jordaniern getragen, der schwarzweiße Schalturban gilt als traditionelles Identifikationstextil der Palästinenser. Es wurde 1936 bis 1939 zum Symbol des Aufstands rebellierender ländlicher Fedajin, die von den Arabern in den Städten verlangten, den türkischen Fez und die europäischen Hüte gegen die nationale Kopfbedeckunmg einzutauschen. Nach der ersten "Intifada" entwickelte sich das Palästinensertuch zu einem Symbol des Widerstands gegen die israelische Regierung und später zu einem global verwendeten Identifikans westlicher Jugendlicher mit dem Kampf unterdrückter Völker. In Interviews erklärte Arafat stets, die asymmetrische Form seiner Kefija solle die Landkarte Palästinas symbolisieren. Die Wahrheit war banaler: Das Tuch sollte schlicht seine Glatze verdecken. Um leichter telefonieren zu können, hatte Arafat stets den linken Zipfel über den Kopf geschlagen.

dusl@falter.at


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