VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 48/04 vom 24.11.2004

Welches Schicksalsspiel wohl gemeint war? "Am 14 November ist's wieder einmal so weit: Österreich steht vor einem Schicksalsspiel" verkündete der Vorspann eines Textes, der Erklärungen zum "Phänomen der Fußballbegeisterung" verhieß. Autor war der Soziologe Karl-Michael Brunner, dessen Erklärungen durchaus trafen, wenngleich MacLuhan beim Fenster hereinlugte und Brunner sich gegen allerlei Kritik von Seite der "Immateriellen" immunisierte, die damals groß in Mode waren: "Fußball wird durch das Fernsehen nicht sterben. Die Anwesenheit der Körper ist notwendig, der Spieler wie der Zuschauer. Fußball als Körper und Sinnentheater braucht die Anwesenheit der Körper. Durch das Medium werden die realen Körper durch Bilder ersetzt. Gerüche sind neutralisiert, Zuschauerlärm auf Kleinlautsprecher reduziert, gebrochen durch den Kommentar. In der Priorisierung des Sehens kennt das Fernsehen als kaltes Medium keine Aktivierung aller Sinne. (...) Fernsehen macht den Fußball spannend, jedoch nur in bestimmten Bereichen der Bildfolge, z.B. der Torkamera. Ist ein Spiel langweilig, ist es im Fernsehen kaum zu ertragen." Genau.

  Übrigens: Am 14. November 1984 besiegte Österreich mit Pezzey, Prohaska, Jara, Polster und Schachner im Wiener Praterstadion Holland mit Gullit und Van Basten 1:0. Zur WM-Qualifikation hat's dennoch nicht gereicht, Österreich verlor zweimal gegen Ungarn. A.T.


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