Boulevard Kafka

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 48/04 vom 24.11.2004

THEATER Großer Aufwand, kleine Komödie: die Kapitalismusfarce "God Save America" von Biljana Srbljanovic im Akademietheater. 

Karl Roßmann hat Probleme. Das ist für halbwegs Literaturkundige nichts Neues: Karl Roßmann heißt der Held von Franz Kafkas Romanfragment "Amerika", und Kafka-Helden haben immer Probleme. Der junge Roßmann wurde von seiner Familie nach Amerika verbannt, weil er ein Dienstmädchen geschwängert hatte. Der Roman handelt von seiner Odyssee durch die Staaten, wo der naive Bursch lauter falsche Freunde trifft.

  Fast hundert Jahre später begegnen wir Karl Roßmann im Akademietheater wieder. Er hat gerade ein kleines, exklusives Apartment in Manhattan bezogen, aber es geht ihm gar nicht gut. Roßmann ist der Protagonist in "God Save America", dem neuen Stück der serbischen Dramatikerin Biljana Srbljanovic ("Belgrader Trilogie"), und die Namensgleichheit ist natürlich kein Zufall. Auch der neue Roßmann ist Europäer in Amerika, und auch ihn wollen sie offensichtlich


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