AUFGEBLÄTTERT

Kultur | ERICH KLEIN | aus FALTER 48/04 vom 24.11.2004

Auf dem Schwanz sitzen und ein Fischlein essen", ist die russische Formel für "Alles auf einmal wollen". Wenedikt und Viktor Jerofejew gehören zu den bekanntesten Autoren der russischen Gegenwartsliteratur und wollen als Schriftsteller immer alles: Literatur und Erfolg. Der 1938 im sibirischen Kirowsk geborene Wenedikt Jerofejew schrieb mit "Reise nach Petuschki" das Kultbuch der untergehenden Sowjetunion, im Nachlass des 1990 verstorbenen Alkoholikers fand sich außer den "Aufzeichnungen eines Psychopathen" nur wenig. Das fingierte Tagebuch aus 1956/57 zeigt den jungen Jerofejew schon auf der Höhe seiner literarischen Möglichkeiten: obszön und zärtlich, rabiat und durchtrieben, intellektuell und originell. "Mein Urgroßvater wurde wahnsinnig. Mein Großvater bekreuzigte mit zitternden Fingern die auf ihn gerichteten Mündungen sowjetischer Gewehre. Mein Vater verschluckte sich an 96-prozentigem denaturiertem Sprit. Nur ich bin immer Wenedikt." Ein Student lässt die Herabgekommenheit


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