VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 49/04 vom 01.12.2004

Vor 20 Jahren konnte man noch mit Leuten Interviews machen, die Kandinsky, Mondrian und Moholy-Nagy nicht nur kannten, sondern mit ihnen gemeinsam auch eine Zeitschrift machten. Der holländische Anarchist Arthur Lehning, geboren 1899 als Sohn deutscher Eltern in Utrecht, war so jemand. Barbara Wien interviewte ihn für den Falter und gab auch einen kurzen Abriss seiner Biografie.

  Lehning baute in den Dreißigerjahren das Internationale Institut für soziale Geschichte auf. Er emigrierte nach England, nach dem Krieg ging er nach Indonesien, später kehrte er an sein Institut zurück. Seine Memoiren zu schreiben habe er noch keine Zeit gehabt, sagte er im Falter-Gespräch.

  Die erwähnte Zeitschrift Internationale Revue i10 gründete Lehning gleichsam nur nebenbei. Auch Ernst Bloch und Benjamin arbeiteten mit. "Bloch", erzählt Lehning, "habe ich ganz zufällig getroffen in einem kleinen Ort im Süden von Frankreich. Wir spielten zusammen Schach, aber ich wusste lange Zeit gar nicht, wer er war! Er hatte den ,Geist der Utopie' geschrieben, und wir sprachen dann viel über Hegel und Nietzsche. Dann sagte ich, wenn ich nach Holland zurückkomme, würde ich eine Zeitschrift gründen, so etwas wie die Aktion oder den Sturm. ,Nun', sagte er, ,dann arbeite ich daran mit, aber dann müssen Sie auch meinen Freund Walter Benjamin fragen, der ist jetzt in Paris.'" So einfach ging das damals mit dem Zeitschriftengründen! A.T.


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