STANDPUNKT

Was liegt, das pickt

Politik | aus FALTER 49/04 vom 01.12.2004

Alfred Gusenbauer erzählte in seiner Parteitagsrede am Montag von einer wundersamen Heilung: Er habe in einem Linzer Spital eine kranke Frau, die nicht aufstehen wollte, dazu gebracht sich zu erheben. Jede Ähnlichkeit mit der Bibelstelle über die Heilung des gelähmten Knechts des Hauptmannes von Katharnaum war natürlich ungewollt und zufällig. Dass Gusenbauer nicht der rote Messias ist, das war wohl auch seinen Parteifreunden von Anfang an klar. Die knapp 89 Prozent, mit denen sie ihn nun wieder zum SPÖ-Vorsitzenden gewählt haben, sind auch nicht berauschend. Der letzte, der ein noch schlechteres Ergebnis erzielte, war Fred Sinowatz 1987, kurz vor seinem Rücktritt. Trotzdem haben die Sozialdemokraten Gusenbauer nun in seinem Amt bestätigt. Und ihn damit auch gleich zu ihrem Spitzenkandidaten für die nächste Nationalratswahl gemacht. Jetzt muss das ewige Wechselspiel von Zuckerbrot und Peitsche der roten Granden aber auch ein für alle Mal ein Ende haben. Sie wollten den Parteivorsitz nicht selbst übernehmen, weil es für sie noch zu früh ist (Salzburgs Gabi Burgstaller), weil ihre Zeit vielleicht nie kommen wird (Erich Haider ist noch nicht einmal in Oberösterreich Landeshauptmann) oder weil ihnen der Job als Oppositionschef zu mühsam ist (Wiens Michael Häupl). Das Buch Hiob, Kapitel 13: "Dass ihr endlich schweigen wolltet, das würde Weisheit für euch sein." E. W.


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