SPIELPLAN

CHRISTOPHER WURMDOBLER, WOLFGANG KRALICEK | Kultur | aus FALTER 49/04 vom 01.12.2004

Nach turbulenten Gastspielwochen sind im neuen Kinder- und Jugendtheaterhaus Dschungel Wien erstmals "eigene" Produktionen zu sehen, die unter dem Titel "Liebeshunger" (bis 5.12.) in zwei Kombipacks für Menschen ab sechs bzw. elf Jahren gezeigt werden. "Kohldampf" von der Gruppe Konnex richtet sich an beide Altersgruppen: Drei dicke Köchinnen und ein Koch bereiten Speisen zu, machen zwischen den Gängen ein Dauerläufchen und stopfen sich mit Pommes voll. Ganz nebenbei entwickelt man aus Alltagsbewegungen (Schnipseln, Rühren, Essen) Choreografien, und - schwups! - plötzlich sind wir im Tanztheater. Tanz serviert bekommen die Kleinen auch in Christoph Bochdanskys "Liebesläufe", in dem vier schrullige Figuren um die Gunst der anderen und des Publikums buhlen. Das ist hübsch niedlich und fast wie bei den Teletubbies, den Kindern taugt's jedenfalls. In "1 Stück Liebe" vom Theater Foxfire erscheint einem Mädchen die Liebe per SMS. Formalismus hin oder her - vielen ab elf war das dann doch eine Spur zu abstrakt.

Aus "Down by Law" wurde eine "drauriche scheene wööd": Der Wiener Regisseur und Schauspieler Christian Suchy, bekannt für seine virtuos-verschrobenen Solos, hat den Jarmusch-Film von 1986 aus den amerikanischen Südstaaten in den Osten Österreichs verlegt. Die Bühnenadaption im dietheater Konzerthaus (bis 4.12.) konzentriert sich auf die Gefängnisszenen: Tom Waits heißt hier Martin Bermoser und ist ein Kärntner Luftgitarren-Strizzi namens Jimi, John Lurie (Clemens Matzka) tritt als Vorstadtmafioso mit Einserpanier und Kontaktneurose ("Greif mi ned an!") auf, und Co-Autor Eric Amelin interpretiert die Roberto-Benigni-Rolle als nerdigen Schulwart mit circa zwanzig Dioptrien starken Brillen. Alle drei Schauspieler sind sehr gut, der Abend ist liebevoll inszeniert und ziemlich unterhaltsam. Auf den Wahnsinn und die Tiefe von Suchys Soloarbeiten wartet man hier allerdings vergeblich.


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