Unter Verdacht

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 49/04 vom 01.12.2004

LITERATUR Imre Kertész' "Detektivgeschichte" zeigt den Totalitarismus aus der Sicht des geständigen Mitläufers. 

Noch nie habe er "ein Stück Prosa geschrieben, das nicht aus unmittelbarer und drängender existenzieller Not hervorgegangen war", schreibt Imre Kertész in seinem Vorwort über die "Detektivgeschichte", die soeben - über ein Vierteljahrhundert nach ihrer Niederschrift - auf Deutsch erschienen ist. Als eine Art Gelegenheitsarbeit sei sie seinerzeit erschienen, weil dem ungarischen Verleger Kertész' dessen Roman "Der Spurensucher" nicht umfangreich genug gewesen sei.

  Aufs Erste mag man den Eindruck haben, hier würde der Rowohlt Verlag ein Nebenwerklein des Literaturnobelpreisträgers von 2002 mühsam zur eigenständigen Publikation aufpumpen. Ein Schelm, wer Böses denkt: Hätte Kertész auch nur die "Detektivgeschichte" geschrieben, er hätte keinen geringen Beitrag zur literarischen Aufarbeitung des Totalitarismus geleistet, der hier - um die ungarischen Zensoren


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