STADTRAND

Stöööhds-öööhba!

Stadtleben | aus FALTER 49/04 vom 01.12.2004

Angenommen jetzt, ich wäre Tourist, neu in Wien und aus auf Abenteuer: Würde mir die ungewöhnliche Frage: "Lust auf eine bewusstseinserweiternde Stadtrundfahrt" gefallen? Hm. Vor ein paar Tagen hat mich nämlich vor der Oper ein Mann angesprochen und genau das gefragt. Doch, und jetzt kommt's, der Mann, dessen Kleidung signalisierte, dass er im Dienste des Stadtrundfahrtenunternehmens Hop-on Hop-off stand, war kein Wiener. Er war nicht mal Österreicher, sondern Deutscher. Um genau zu sein, und das muss man in diesem Zusammenhang, kam er aus Sachsen. Hörbar, den Sachsen sächseln nun mal. Der Mann sächselte einfach wahllos irgendwelche Passanten an, auch solche, die ganz offensichtlich nicht Wienbesucher, sondern Wienbenutzer waren. Ich hatte, wie viele vor und nach mir, weder Lust noch Zeit auf Bewusstseinserweiterungen jeglicher Art, obwohl allein schon das Wörtchen "Staatsoper" auf Sächsisch zum Brüllen komisch klingt. Und wenn ich nur Tourist wäre, würde ich mir niemals von Sachsen Wien zeigen lassen. Ist das jetzt rassistisch? Oder machen wir in diesem Fall eine Ausnahme? C. W.


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