FERNSEHEN

Medien | JULIA ORTNER | aus FALTER 50/04 vom 09.12.2004

Auch wenn man moralisches Gesülze über die generelle Verkommenheit des Fernsehens ablehnt - aber was man bei der Pro7-OP-Realitysoap "The Swan" vorgesetzt kriegt, ist ethisch betrachtet ein Wahnsinn. Dabei muss man sich weniger Sorgen um die verwirrten Teenies machen, die sich nach der Show gerne einen Silikonbusen oder eine Jennifer-Lopez-Stupsnase zum 16. Geburtstag wünschen. Die Ausgenutzten sind die leidgeprüften Frauen, die sich vor der Kamera entblößen, und zwar bis in ihr Innerstes. Frauen, deren Hauptprobleme nicht Hängebusen, dicke Hintern oder schiefe Zähne sind, sondern dass sie in üblen sozialen Verhältnissen oder in miesen Beziehungen leben, mit Mc-Jobs rohen Ehemännern, mit zu vielen Kindern und zu wenig eigenen Perspektiven. Dämliche Schönheitsindustriearbeiter zerren diese Menschen ins Fernsehen und suggerieren ihnen, die Nase ohne Höcker werde ihr Leben verändern. Wie denn, bitte schön? Der nosejob wird der Arbeitslosen nicht beim Aufstieg helfen, und ihr Mann hört deswegen auch nicht mit dem Saufen auf. Hauptsache, man schaut, äh, "gut" aus im Elend.


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