Geraldine geht.

Kultur | HELMUT GOLLNER | aus FALTER 50/04 vom 09.12.2004

LITERATUR Neues von Marlene Streeruwitz: die Erzählung "Morire in Levitate" und ein Band mit Vorlesungen üben Kritik an bloß behaupteter Wirklichkeit und bleiben mitunter selbst in Behauptungen stecken. 

Marlene Streeruwitz ist eine politische und poetische Starksprecherin. Dass ihr Starksprech Figuren und Argumente auch schwächen kann, lässt sich an zwei neuen Büchern der Autorin überprüfen: an der Erzählung "Morire in Levitate" und dem Essayband "Gegen die tägliche Beleidigung". Wie auch in anderen Streeruwitz-Büchern werden wir in der Erzählung - der Verlag nennt es eine "Novelle" - durch ein weibliches Bewusstsein geführt, und zwar im Wortlaut der Gedanken: Geraldine, 50, krankheitshalber verhinderte Opernsängerin, konstatiert für sich den Verlust von Zukunft durch die Übermacht der Vergangenheit. Ihr Großvater war Nazi und "Fahrplangenie" der KZ-Deportationen. Die innere und äußere Ungesühntheit seines Lebens bedeutet den Sieg des Großvaters über die nächste


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