STANDPUNKT

Kein Licht ins Dunkel

Politik | aus FALTER 51/04 vom 15.12.2004

Brave Jugendliche mit Downsyndrom und zufriedene Rolli-Fahrer - so schön ist die Welt der Menschen mit Behinderung, zumindest jetzt bei "Licht ins Dunkel". Rechtlich betrachtet haben Behinderte aber auch unter dem neuen Gleichstellungsgesetz nicht viel mitzureden. Keine Rede von gleichen einklagbaren Rechten für Menschen mit Handicap. Nach jahrelangen Kämpfen sind viele Behindertenvertreter jetzt zu Recht frustriert. Der Entwurf, der nun den Ministerrat passiert hat, beinhaltet noch immer die überholten, grob diskriminierenden Berufsverbote: In Österreich kann ein blinder Jurist auch künftig nicht Richter werden. Die Gebärdensprache wird nach wie vor nicht als offizielle Sprache anerkannt. Und gehbehinderte Menschen müssen sich weiter im Alltag mit diversen Hürden herumärgern - Baurecht bleibt Ländersache, Normen für barrierefreies Bauen werden nicht verbindlich festgelegt. Ein lauwarmer Versuch von Gleichstellung - vor allem, weil das Gesetz nicht viel kosten soll. Alleine wenn man alle öffentlichen Gebäude in Wien behindertengerecht umbauen würde, könnte das geschätzte hundert Millionen Euro verschlingen. Und das will Österreich anscheinend nicht für seine Bürger mit Handicap ausgeben. Ein Land, in dem viele Leute noch immer selbstverständlich sagen, einer sei "an den Rollstuhl gefesselt", ist halt ein Entwicklungsland in Sachen Gleichstellung. J. O.


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