"Alles zu selbstverständlich"

Kultur | WENDELIN SCHMIDT-DENGLER | aus FALTER 51/04 vom 15.12.2004

GEBURTSTAG Am 20. Dezember wird Gernot Wolfgruber sechzig. Seine fünf Romane gehören zum Besten und Wichtigsten, was in diesem Genre in Österreich nach 1945 hervorgebracht wurde. 

Schon lange hat man von ihm nichts gehört, sagt dieses "man", und in der Tat, es sind fast zwanzig Jahre her, seit Gernot Wolfgrubers letzter Roman "Die Nähe der Sonne" (1985) erschienen ist. Mit dieser Feststellung beginnt fast jedes Gespräch über ihn, und wer sich so äußert, scheint der Auffassung zu huldigen, dass die Autorinnen und Autoren in schöner Regelmäßigkeit ihre Frühjahrs- und Herbstkollektion zu bieten und ihre Haut zu Markte zu tragen hätten.

  Die Praktiken des Literaturmarkts waren nie barmherzig und sie sind in der letzten Zeit noch unbarmherziger geworden: Das Publikum will seinen Autor samt Autogrammen und der Verlag seine Titel haben. Nach dem so oft proklamierten Tod des Autors und der verständnislos nachgebeteten Frage "Wen kümmert's, wer spricht?" drängt man zu Autorenlesungen


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