ROMANE

Stress am Bau

KLAUS NÜCHTERN | Kultur | aus FALTER 51/04 vom 15.12.2004

Der Bauunternehmerroman boomt. Und wir erfahren aus ihm, dass Bauunternehmer, erstens, gar nicht so sind und, zweitens, Jerry heißen. Jerry McGuinty ist - wie schon Uropa, Opa und Papa - Gipser. Jerry zieht "Ein großes Ding" durch, immerhin hat er 13 Siedlungen, 5000 Dächer und 30.000 Außenwände in die Suburbs von Ottawa geklotzt. Ansonsten aber sieht es in seinem Leben, von dem das Debüt des Kanadiers Colin McAdam erzählt, nicht so toll aus. Ehefrau Kathleen entpuppt sich als irischer Hitzkopf, dessen Temperament sich in cholerischen Anfällen, nicht aber im Bett austobt. Weil es über diesem eine neue Digitaluhr gibt, weiß Jerry genau, wie lange er während eines Jahres in Kathleen war: genau 31 Minuten. McAdam hat für seine Geschichte über die Abgründe, die sich hinter solid gemauerten Fassaden auftun, ein originelles Milieu gewählt und gesteht seinen Protagonisten eine Komplexität und Verletzlichkeit zu, die man nicht erwartet. Die Sprache des Romans ist allerdings mitunter

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