Leben, möglicherweise

Kultur | TOBIAS HEYL | aus FALTER 51/04 vom 15.12.2004

UNIVERSUM PROVINZ Pierre Michons wunderbare biografische Miniaturen hauchen kleinen Leuten ein zweites Leben ein. 

Pierre Michons Prosa hat zwanzig Jahre gebraucht, um über den Rhein zur deutschsprachigen Leserschaft zu finden. Das ist, gemessen am üblichen Tempo, eine verdammt lange Zeit. Wer aber diese Prosa gelesen hat, für den sind Tempo oder vermeintliche Aktualität keine besonders interessanten Kriterien mehr. Pierre Michons Geschichten reichen weit zurück bis ins 19. Jahrhundert, sie sind in einer bäuerlichen Welt angesiedelt, der Beschleunigung nichts bedeutet - und sie sind in einer Weise erzählt, die sich zwingend aus ihrem Stoff entwickelt und vollkommen unabhängig ist von allen literarischen Moden.

  Der Stoff: Das sind die "Leben der kleinen Toten", oder die "Vies minuscules", wie es auf Französisch viel schöner, aber eben leider unübersetzbar heißt. Die "kleinen Toten" lebten als "kleine Leute", als Bauern, Knechte, Dorfpfarrer in der französischen Provinz,


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