STREIFENWEISE

Kultur | MAYA McKECHNEAY, DREHLI ROBNIK | aus FALTER 51/04 vom 15.12.2004

Man stelle sich vor: "Die Klavierspielerin" als Komödie. So hat man eine zumindest grobe Vorstellung von "Fräulein Phyllis", der von Clemens Schönborn inszenierten und von der Linzer Fischer Film produzierten Farce um ein exzentrisches altes Mädchen, dargestellt von Sophie Rois. Rothaarig wie die Huppert, verschroben im Umgang mit Männern, wohnt Phyllis mit vierzig noch immer bei der Mutter (Hertha Schell), eine Konstellation der Hassliebe, der Schönborns Drehbuch einige hübsch-fiese Szenen abgewinnt. Unter Tränen fantasierend, die Mutter habe Unterleibskrebs und faule schon durch die Matratze, verschenkt da die tückische Tochter am Albertina-Würstelstand deren Chanelkostüme. Weil aber nicht alles Böse automatisch gut ist, vergreift sich Schönborn auch im Tonfall, lässt Phyllis laut überlegen, ob ihr eine Vergewaltigung gut täte und dergleichen mehr, was einen mit der Zeit nicht nur gegen die so denunzierte Protagonistin, sondern vor allem gegen den Film selbst einnimmt.

  Wie so oft im Leben fragt man sich auch angesichts des "Phantoms der Oper", warum da so ein Bahöl stattfindet. Bei Lon Chaneys Fratze in der Hollywoodversion von 1925 war es noch vorstellbar, dass sie eine musische Seele zu gruftigem Außenseitertum und unmöglicher Liebe verurteilt. Dagegen sieht Gerard Butler als schlussendlich demaskierter Titelunhold von Joel Schumachers Adaption des Andrew-Lloyd-Webber-Musicals eigentlich auch nicht ärger aus als ich mit Ausschlag oder ein Austropopper nach dem Grillunfall. Krass ist hier eher, wie asynchron zu den Mundbewegungen der Gesang von Uwe Kröger und anderen hörbar Bemühten in der deutschen Fassung ist - zumal beim schmachtenden Schmettern in Nahaufnahmen farbloser Poneme. Ansonsten viel wallendes Haar, Hemd und Dekolletee in Gipsdekors und Kunstschnee zu Puccini-Aufgüssen und streberhaften Kamerafahrten, dargeboten von einem Film, dessen Laufzeit von zweieinhalb Stunden um rund 150 Minuten zu lang geraten ist.


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