VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 52/04 vom 22.12.2004

Ihr Chronist kann sich noch gut erinnern, wie er jeden Tag in die besetzte Au fuhr (Aubesetzer war er keiner, er war Berichterstatter), um vier oder fünf aufstand, noch im Dunkel in der Stopfenreuther Au eintraf und spät am Abend zurückkehrte, um in der Redaktion zu berichten. Eines sehr späten Abends saß er im Parlament, um die Beratungen der Regierung abzuwarten. Mit ihm wartete ein junger Journalist der Presse, der sich ganz nebenbei erkundigte, was man über Helmut Zilk so wisse, der damals gerade Bürgermeister geworden war. Der suchte nämlich einen Pressesprecher. Der junge Journalist war Christoph Ronge, der sich die Sache damals so gut überlegte, dass er sie heute noch immer macht! Mittlerweile als Hofrat und Mediensprecher des Bürgermeisters. Wäre Hainburg anders ausgegangen, wer weiß, wo wir beide heute säßen?

  Jedenfalls traf Fred Sinowatz die weise Entscheidung, die berühmte Denkpause einzulegen. Was mir im Rückblick gefehlt hat, war weniger die ostentative Friedfertigkeit der Demonstranten (die man von Studentendemos nicht kannte), als dass die sich vollkommen bewusst waren, als Teil einer Medienaktion aufzutreten. Dann die Entschlossenheit der Arbeiter, "von der DOKW mit Akkordlohnverträgen scharf gemacht", wie im Falter stand. Einem wie mir hatten sie Folgendes zu sagen: "Wos bist du, a Journalist? Dann g'hearst in d'Au g'haut, du Trottel!" Wobei die Stihl-Motorsäge in der Hand dem Sprecher eine gewisse Autorität verlieh. Die Rolle der Bauern wird heute nicht mehr erwähnt. Ein Bild, das ich noch vor Augen habe, ist eine lange Kolonne von Traktoren, auf dem Audamm aufgereiht und in der Morgendämmerung wartend. Auf der anderen Seite die Arbeiter, dazwischen Gendarmen und Aubesetzer - da war Musik drin. Die unschöne Musik eines Bürgerkriegs light. a. t.


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