"Manchmal bin ich gläubig"

Kultur | PJOTR WEJL | aus FALTER 52/04 vom 22.12.2004

LITERATUR Joseph Brodsky (1940-1996) ist wohl einer der wenigen Modernisten, die bedeutende Weihnachtsgedichte verfassten - regelmäßig und über Jahrzehnte hinweg. Ein Gespräch über den Glauben, Nächstenliebe und metaphysische Schweinereien. 

Als Jospeh Brodsky 1996 starb, ging in Russland eine Epoche zu Ende: die Ära des Dissidententums und literarischen Undergrounds, von Samisdat und Sehnsucht nach Weltkultur. Der über mehrere Jahrzehnte hinweg bekannteste Vertreter des dichterischen Andersdenkens war der 1940 in Leningrad geborene Jossif Brodskij, der mit fünfzehn die Schule verließ, in zahlreichen Gelegenheitsjobs ein erbärmliches Sowjetdasein fristete und als amerikanischer Staatsbürger Joseph Brodsky 1986 den Literaturnobelpreis erhielt.

  1962 wurde Brodsky für das Schreiben von Gedichten wegen "Parasitentums" angeklagt und zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Verbannung in eine entlegene Kolchose, in welche die Haftstrafe umgewandelt worden war, endete aufgrund


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