Rohe Weihnachten

Kultur | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 52/04 vom 22.12.2004

LITERATUR Wenn Mama tot ist: Der Turiner Autor Franco Stelzer hat eine wüste Weihnachtsgeschichte mit hohem Tabubruchfaktor geschrieben. 

Tolldreiste und wüst fabulierende Familiengeschichten, die sich mit voyeuristischer Wonne auf möglichst peinliche Anekdoten aus ganz normal verpfuschten Kindheiten stürzen, haben in der italienischen Literatur Konjunktur. Was an Heiligabend schief gehen kann, das geht auch schief in einem Kurzroman, mit dem sich der 1956 geborenen Turiner Schriftsteller Franco Stelzer erstmals einem deutschsprachigen Publikum vorstellt - und sogleich als einer der extrovertiertesten Vertreter seines Fachs präsentiert, der sich für keinen noch so derben Tabubruch zu gut ist. Die Familie und die geladenen Verwandten haben sich zum Truthahnessen versammelt. Doch der Vogel, der ihnen da als Festmahl aufgetischt wird, ist trotz akribischen Bratens fast roh geblieben. Kein Wunder: Es ist "das erste, merkwürdige, feierliche Weihnachten ohne sie" - die an Krebs verstorbene


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