PHETTBERGS PREDIGTDIENST

P. Czermak Suizid

Stadtleben | aus FALTER 52/04 vom 22.12.2004

... Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte ... während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel ...

Mt 1,1-25 (Evangelium am Heiligen Abend eines Lesejahres A)

Nur dreimal im Leben habe ich Peter Czermak für gesehen, und drei-, viermal mit ihm gemailt. Ich kann nichts über ihn sagen. Außer dass eine Mail kam, die einlud zu einem Farewell in den Volksgarten. Und so also erfuhr ich, dass er von einer Brücke gesprungen ist. Er legte Platten auf, er organisierte Clubs, er duldete die Methoden der Türsteher nicht. Er organisierte www.club.at, und dabei haben wir uns kennen gelernt, weil seine Gruppe 2000 unseren Wagen bei der Regenbogenparade dokumentierte. Vielleicht der schönste Tag meines Lebens. Ich lernte ihn am schönsten Tag meines Lebens kennen. Dann hab ich ihn noch einmal im Büro gesehen und heuer, Anfang des Sommers, ein letztes Mal. Er stand kurz vor seinem 30. Geburtstag und hat sich im November von einer Brücke gestürzt.

  Ich habe ihn also nicht gekannt und schüttele mich in Weinkrämpfen, dass wir so schlecht organisiert sind, dass so viele jedes Jahr sich keine Wärme holen können und also eintauchen müssen in den Tod. Ich bin 53 und besitze 45 Euro für den Rest des Lebens. Keinen Termin habe ich inne, wo irgendein Euro verdient werden wird. Und so kurz ist unser Leben, und so ernst müssen wir es nehmen. Verkrieche mich noch mehr, kann keine Hilfestellung mehr erkennen. Wenn ich Glück gehabt hätte, wäre ich vielleicht gesprungen. Es sollen fest eingemeißelt werden Peter Czermak und die vielen heurigen Namen. Und dass kein Gott ist. Und wir es nicht zustande bringen, ein Leben zu errichten. Kann selber niemandem helfen.

  Nur bitte, bitte, bitte, kommt nicht zu Besuch, ladet mich nicht ein, weil Weihnachten wäre. Lasst mich wenigstens jetzt in Ruh.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abbonieren.


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