Kommentar

Benefizwahn: entsetzlich, aber löblich

CARSTEN FASTNER | Kultur | aus FALTER 02/05 vom 12.01.2005

Den Anfang machten die Wiener Philharmoniker, gleich am 1. Jänner und gleich mit einem Traditionsbruch der Sonderklasse: Nicht nur, dass das Orchester und Dirigent Lorin Maazel angesichts der Flutkatastrophe im Indischen Ozean beim Neujahrskonzert aufs obligate Abspielen der finalen Mitklatschnummer "Radetzkymarsch" verzichteten; man unterbrach sogar das Konzert, um vor Millionenpublikum bekannt zu geben, dass man der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 115.000 Euro für die Trinkwasserversorgung im Katastrophengebiet zu spenden gedenke, und rief das Publikum auf, je nach Möglichkeit desgleichen zu tun.

Auf das Überreichen eines überdimensionierten Pappdeckelscheckimitats wurde auf der Bühne des Musikvereins dankenswerterweise verzichtet, auch WHO-Generaldirektor Jong Wook Lee durfte wortlos abgehen, die ganze Angelegenheit verlief also vollkommen unpeinlich und hinterließ den Eindruck echter Betroffenheit bei den Musikern. Danach aber musste es, Neujahr bleibt Neujahr, munter weitergehen

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