KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 02/05 vom 12.01.2005

Herber Charme und ein eigenwillig historischer Charakter kennzeichnen die Ausstellung von Josephine Pryde im Keller der Secession (bis 30.1.). Dort hängt eine Skulptur aus Fahrrad- und Motorradketten wie ein zerstörtes Spinnennetz von der Decke und verbreitet öligen Geruch. Das männlich konnotierte Material, so zart verwoben, wirkt wie ein Witz. Bei dem Kettengeflecht handelt es sich um ein Remake von Eva Hesses Arbeit aus Seilen ("Rope Piece" von 1970). Offen bleibt, ob Pryde mit ihren unorthodoxen Ariadnefäden auf die Rezeption von Hesses Arbeiten als sensible, biografisch geprägte "Frauenkunst" anspielt oder einfach über den "femininen" Touch spöttelt. Auch die vertrackten Fotografien und Fotogramme Prydes stecken voller Bezüge zur Kunstgeschichte. Da fliegt Farbe durch die Luft und landet auf einem weißen Honda anstatt auf einer weißen Leinwand. Mit Porträtfotos erinnert die 1967 geborene Britin an die Dunkelkammerexperimente von Man Ray und Lee Miller, die gemeinsam das Verfahren der Solarisation entwickelten. Eine von Pryde fotografierte Künstlerkollegin steht dabei stellvertretend für Miller, deren eigene Karriere im surrealistischen Umfeld nicht gedieh.

  Was haben Kristalle und Sicherheitsschleusen, wie sie an den Ausgängen von Geschäften stehen, gemeinsam? Nicole Wermers, Jahrgang 1971, bringt diese scheinbar disparaten Elemente im Kaminzimmer der Secession zusammen. Eine Gemeinsamkeit ist die "Strahlung": Halbedelsteine werden gerne als esoterisches Heilmittel verkauft, Elektromagnetik verhindert im Kaufhaus Diebstähle. Die deutsche Künstlerin hat Bilder von glitzernden Mineralien auf schwarze Boxen geklebt. Im Raum stehen besagte Warensicherheitsschranken, deren Design man im Alltag nie beachtet. In Kombination mit einem Aschenbecher, wie man ihn aus Foyers kennt, erscheint die Ausstellung als Transitzone, die von der Anziehungskraft der Waren, den Grenzen des Besitzes und der Aura von Formen erzählt.


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