AUFGEBLÄTTERT

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 02/05 vom 12.01.2005

Vor genau einem Jahr zierte der Charakterkopf von Thomas Bernhard das Titelblatt des Falter. Zur Klärung der Frage, "wie er wurde, was er war" (Coverzeile) hat der Autor selbst mit fünf Büchern beigetragen, die nun in der Suhrkamp-Werkausgabe unter dem voll tönenden Namen "Die Autobiographie" und im Rahmen der Backlisthighlightselection des Residenz Verlags etwas vorsichtiger als "Autobiographische Schriften" neu aufgelegt wurden. Liest man die zwischen 1975 und 1982 erschienenen Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens, so gewinnt man den Eindruck einer fortlaufenden Autoentbernhardisierung des Autors. Muss man sich in "Die Ursache" noch durchs Dickicht existenzphilosophisch aufgemascherlter Behauptungssatzprosa mühen, mit der hier das unterm Bombenhagel erbebende Salzburg und die letzten Schultage des jungen Noch-nicht-Dichters auf die (nicht ganz unplausible) Formel Nationalsozialismus-ist-Katholizismus-mit-komischen-Kreuzen gebracht wird, so lichtet sich der Urwald der Satzketten


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige