SPIELPLAN

Kultur | CHRISTOPHER WURMDOBLER, WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 03/05 vom 19.01.2005

Theatermacherin Katrin Schurich hat ein Händchen für gute Stücke und gute Schauspieler. Nach "Bier für Frauen" (von Felicia Zeller) hat sie jetzt wieder einen erfolgreichen deutschen Dramatiker inszeniert: Das KosmosTheater zeigt als Eigenproduktion die österreichische Erstaufführung von Martin Heckmanns' "Schieß doch, Kaufhaus!" (bis 29.1.). Es geht um Globalisierung, politische Bewusstseinsbildung, Gutsein im Allgemeinen und Liebsein im Besonderen. "Sind wir noch zusammen?", lautet die Frage, die sich die fünf Figuren mehr als einmal stellen. Regisseurin Schurich und ihre Ausstatterin Stefanie Stuhldreier haben sich für den nicht ganz leichten Text voller Sprachspielereien und Sprachstammeleien einiges einfallen lassen: Terror kunterbunt im Kinderzimmer, in der Horizontalen und der Vertikalen, Spontispruchflyer, Agitation, Kuscheln und eine echt schrille Kreuzigungsszene samt "Dona nobis pacem"-Kanongesang ganz nebenbei. Mit einer Spur weniger Hochachtung vorm Text wär der Abend vielleicht sogar noch besser geworden. Trotzdem: Respekt.

  Kurz nach der letzten Vorstellung des mäßig erfolgreichen Musicals "Barbarella" steht Nina Proll schon wieder auf einer Bühne. Im Volkstheater gibt sie in dem Brecht/Weill-Singspiel "Happy End" eine Heilsarmistin namens Jane, und zum weltweit vermutlich ersten Mal entschuldigt sich ein Theater bei einer Schauspielerin dafür, dass ihre Rolle so klein ist: "Wir danken Nina Proll für ihr loyales Verhalten im Zusammenhang mit der uns aus rechtlichen Gründen untersagten Erweiterung ihrer Rolle", heißt es unterwürfig im Programmheft. Die Hauptrollen sind mit zwei anderen Stars besetzt: Moretti-Bruder Gregor Bloéb spielt den Gangster Bill Cracker, Julia Cencig die Heilsarmistin Lilian Holiday. Aber auch die beiden schaffen es nicht, das ohnedies eher matte Werk (der zu Recht vergessene Versuch, den Erfolg der "Dreigroschenoper" zu wiederholen) auf Touren zu bringen. Eine Zweigroschenoperette.


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