AUFGEBLÄTTERT

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 03/05 vom 19.01.2005

Die populärsten Definitionen von Freiheit (Friedrich Engels, Kris Kristofferson) sind von ernüchternder Knappheit. In Wirklichkeit nimmt sie aber eh keiner ernst; stattdessen gilt Freiheit als Handeln jenseits des Notwendigen, bei dem man allerdings auch was zu verlieren hat. Der aus Bern stammende Philosoph Peter Bieri hat vor vier Jahren ein erstaunlich populäres Sachbuch über "Das Handwerk der Freiheit" geschrieben; unter dem Namen Pascal Mercier schreibt er nicht viel weniger erfolgreiche Romane. "Nachtzug nach Lissabon" ist der dritte davon; er beginnt damit, dass ausgerechnet ein für seine unerschütterliche Verlässlichkeit bekannter Berner Gymnasiallehrer (Latein, Griechisch, Hebräisch) vom heftigen Drang überkommen wird, seinem Leben noch eine neue Wendung zu geben. Er lässt alles liegen und stehen, um sich, entflammt von den melancholischen Reflexionen eines gewissen Amadeu de Prado, in Lissabon auf die Spuren des verehrten, mittlerweile verstorbenen Autors zu begeben,


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