PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Es fällt der erste Schuss

Stadtleben | aus FALTER 03/05 vom 19.01.2005

... Seid alle einmütig und duldet keine Spaltungen unter euch; seid ganz eines Sinnes und einer Meinung. ... Es wurde mir nämlich ... berichtet, dass es Zank und Streit unter euch gibt ...

1Kor 1,10 - 3.17 (2. Lesung am 3. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres A)

Wie so schön sich Kanzler Schüssel in der Bundesversammlung versprach: "Wächst die Gefahr, so wächst das Rettende aus." Am Beginn der Novene zur Inauguration George W. Bushens zwecks seiner zweiten Amtszeit schossen sie den "Deep Impact" zu den Kometen namens "Tempel 1", um die allererste Bombe im Universum abzufeuern am 4. Juli dann, dem US-Unabhängigkeitstag. Ein fußballfeldgroßes Loch schießen sie dem Kometen hinein. Es ist ein wissenschaftliches Experiment, und es ist natürlich faszinierend, wie punktgenau sie das können. Und es ist keine Aggression, aber es ist zu notieren, dass es vielleicht der gewaltigste Tag unseres Lebens sein könnte. Dass vielleicht noch nie im Universum ein Schuss fiel, alles so dahinflutschte, bis nun Bush kam, weil ja die Gefahr besteht, dass der Komet kommt irgendwann und die Erde gefährdet. Der biegt dann überraschend um eine Ecke, und wir haben vielleicht nur wenige Monate, um ihn zu entdecken und zu berechnen, dass er auf uns zu rast, und es müssen dann immer ein paar Raketen startklar gehalten werden, damit sie dem eine reinsemmeln können, bevor er auf Erden alles ruiniert.

  Dergestalt ist alle Vernunft. Und ich bin ja wahrlich nicht der Titan, der dagegen was sagt. Ich notiere nur das Symbol. Denn alle Vernunft tritt dergestalt in die Welt. Und das Totale unseres Denkens erscheint so, als trete ein Text für oder gegen was. Meine Texte hätt ich gern in Fransen, nah am Schweigen. Denn gäbe es keine Ohren, noch besser keine Hörhilfen, sauste das ganze Weltall lautlos dahin.

  Alte Pferde legen sich nicht schlafen, sie stehen das Schlafen durch. Ich kann nirgendwo hingehen und sagen, ich trete jetzt auf, ich hätte was zu sagen. Ich habe nichts zu sagen. Der junge Jesus, ja, der ging herum und machte auf sich aufmerksam.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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