STANDPUNKT

Wir und Rumänien

Politik | aus FALTER 04/05 vom 26.01.2005

Das war irgendwie zu erwarten. Die rumänische Regierung verzichtet auf unser Angebot eines rot-weiß-roten Gefängnisses. Das umstrittene Knastprojekt war ein Musterbeispiel dafür, wie man mit den neuen, selbstbewussten Beitrittskandidaten nicht umgehen kann. Ein grundsätzlich sinnvolles Projekt (nämlich die Modernisierung verkommener sozialer Institutionen im ehemaligen Ostblock) wurde mit völlig falschen, weil kolonialistisch anmutenden Argumenten verkauft. Es ist ja grundsätzlich nichts Schlimmes daran, dass neben Krankenhäusern, Waisenheimen und Schulen auch andere Einrichtungen des Staates modernisiert werden. Gefangene wird es schließlich immer geben. Es ist Pflicht eines künftigen EU-Mitglieds, diese human und fortschrittlich zu behandeln. Die meisten der rumänischen Kotter sind jedoch eine permanente Menschenrechtsverletzung. Die progressiven Juristen des Landes (übrigens oft selbst unter dem Diktator Nikolae Ceauçescu gefoltert) fordern schon lange finanzielle Mittel, aber auch modernes Know-how, um die Resozialisierung von Gefangenen zu fördern, anstatt sie im Dreck vegetieren zu lassen. Das wäre eine Chance gewesen. Doch unsere blauen Justizminister wollten nicht die überkommenen Gefängnisse vor Ort sanieren, sondern Kotter exportieren, damit wir rumänische Gauner schneller und billiger loswerden. Das üble Spiel hat Rumänien nun durchschaut. F. K.


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