SPIELPLAN

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 04/05 vom 26.01.2005

Besuchen Sie die Gruppe 80, solange sie noch steht! Das Theater in der Gumpendorfer Straße existiert in dieser Form nur noch bis Ende der Saison, und mit "Liebelei" (bis 26.2.) ist Helmut Wiesner - in seiner vorletzten Inszenierung als Direktor des Hauses - eine seiner schönsten Arbeiten gelungen. Schnitzlers Tragikomödie einer Liebe, die groß und klein zugleich ist, spielt in einem ungemütlichen Seventies-Wohnzimmer mit Hausbar und E-Piano (Bühne: Carlo Tommasi); zwischen den Akten erklingt Schrammelmusik, manchmal wehen leise Schubert-Lieder durch den Raum. Ebenso souverän, wie Wiesner die heikle Balance zwischen Ironie und Melancholie hält, agieren die Schauspieler: In den Hauptrollen gelingen Lilian Klebow (Christine) und Hary Prinz (Fritz) wunderbar intime Momente, die man diesem Paar nie zugetraut hätte; Julia Lazek ist eine herrlich vulgäre Mizi; daneben haben Co-Direktorin Helga Illich und der alte Dieter Hofinger, Protagonist der allerersten Gruppe-80-Tage, markante Auftritte. Ein Abend für Liebhaber.

Ein anderer Veteran der Wiener Mittelbühnenszene, Dieter Haspel, hat sich im Ensemble Theater ebenfalls eines Schnitzler-Stoffes angenommen - allerdings in der Fassung von Werner Schwab. "Der reizende Reigen nach dem Reigen des reizenden Herrn Arthur Schnitzler" (bis 19.2.) heißt das "Coverdrama", in dem Schwab die Form von Schnitzlers einst skandalösem "Reigen" (eine Art Staffellauf durch zehn Verführungsszenen) übernimmt und mit seiner Sprache füllt. Die Inszenierung findet auf einem archaischen Stahl-Bühnenbild (Günter Lickel) und in Minimalbesetzung statt: Eine Schauspielerin (Barbara Horvath) und ein Schauspieler (Christian Dolezal) übernehmen mit zunehmend ansteckender Spielfreude alle Rollen. "Der reizende Reigen" ist eines von Schwabs witzigsten Stücken, aber schwer zu spielen. Haspels schnörkelloser Vom-Blatt-Regiestil ist da nicht der schlechteste Ansatz; das "Schwabische" fährt sozusagen ohne Filter ein. Kein Abend für Verliebte.


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