Endstation Sehnsucht

WOLFGANG KRALICEK | Kultur | aus FALTER 04/05 vom 26.01.2005

HANS GRATZER (1941-2005) Der langjährige Leiter des Wiener Schauspielhauses, der zuletzt kurz und glücklos Josefstadt-Direktor war, ist tot. Nachruf auf einen Mann, der stets ein anderer sein wollte. 

Man müsse tot sein, heißt es, wenn man in Wien eine gute Nachred' haben will. Manchmal genügt es auch, wenn man todkrank ist. Als der von seinem Krebsleiden schwer gezeichnete Hans Gratzer bei der Nestroy-Gala vergangenen November im Ronacher für sein Lebenswerk geehrt wurde, spendete ihm die versammelte Wiener Theatergesellschaft minutenlang Standing Ovations - darunter auch einige Kollegen, die Gratzer nur wenige Monate vorher die bitterste Niederlage seiner Karriere zugefügt hatten: Noch während der ersten Saison als Direktor des Theaters in der Josefstadt war Gratzer zum Rücktritt gezwungen worden.

  Die beklemmende Szene im Ronacher war ein peinlicher Regiefehler, der dem Regisseur Hans Gratzer nie unterlaufen wäre. Der unrühmliche letzte Akt passt nicht zu einer ungewöhnlichen

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