Die Lyrik des Alltags

Kultur | GERHARD MIDDING | aus FALTER 04/05 vom 26.01.2005

FILM Der russische Boxer und Filmemacher Boris Barnet (1902-1965) nimmt einen Ehrenplatz im Zwischenlager der Filmgeschichte ein. Im Filmmuseum gibt es jetzt die Gelegenheit, den großen Unbekannten kennen zu lernen. 

Ganz unbefangen streicht das Kätzchen durch die Front der Streikenden, schmiegt sich vertrauensvoll an die Stiefel der aufbegehrenden Dorfbewohner. Als die zaristischen Truppen antreten, um den Aufstand niederzuschlagen, haben wir sie längst aus den Augen, aber noch nicht aus dem Sinn verloren. Das Massaker, das die Soldaten unter den Handwerkern anrichten, zeigt uns "Okraina" ("Vorstadt", 1933) nicht. Während wir im Hintergrund die Gewehrsalven hören, fängt die Kamera vielmehr spielende Kinder ein und einen Kavalier, der einer Dorfschönheit ihren entlaufenen Hund zurückbringt.

  Dieser Blick, der zunächst leichtfertig abgewandt erscheint, wird bald kenntlich als einer, der sich zu konzentrieren wagt auf das bewahrenswert Triviale, also Menschliche. Meisterhaft verstand


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