SPIELPLAN

Kultur | CHRISTOPHER WURMDOBLER | aus FALTER 05/05 vom 02.02.2005

Im Theater in der Josefstadt hatte Tennessee Williams' "Glasmenagerie" Premiere - aber wer den üblichen Südstaatenschwulst erwartet, sollte sich nicht zu früh freuen: Eine Mutter versucht verzweifelt, Sohn und Tochter in Job oder Ehehafen unterzubringen. Okay, drückende Sommerhitze und Regenschauer gibt's auch, aber kaum: Das Stück ist ein Frühwerk, Handlung und Figuren vergleichsweise flach. Obwohl es bei der Uraufführung 1944 wohl mutig war, wie Williams in Rückblenden die Geschichte (s)einer gestörten Familie erzählte, von kleinen Fluchten und großen Lebenslügen. Traute Hoess spielt die Rolle wie Mutter Beimers Fahrt ins Unglück und stiehlt Gertrud Drassl und Michael Dangl (als Tochter und Sohn) sogar ein wenig die Show. "Die Glasmenagerie" sei ein "Spiel der Erinnerungen" und könne deshalb "sehr frei von allen Theaterkonventionen aufgeführt werden", zitiert das Programmheft Tennessee Williams. Vielleicht hätte Regisseur Wolf-Dietrich Sprenger das lesen sollen, bevor er der Josefstadt seine ziemlich konventionell-muffige Inszenierung bescherte.

Um den "Verrat an der Jugend" geht es in "Burning House" von der Compagnie Smafu im Dschungel Wien (bis 5.2.). Genau, "Compagnie" hat was mit Tanz zu tun, und so verausgaben sich in dieser losen Kaspar-Hauser-Nummern-Revue für Jugendliche ab zwölf Jahren zwei Frauen und zwei Männer körperlich sehr. Sie klettern Bauzäune hoch, finden und verlieren sich und überwinden das, was ihnen im Weg steht. Das ist gar nicht übel und würde sich wohl auch für jugendliches Publikum von selbst erklären. Regisseurin Elisabeth Orlowsky jedoch stellt den Tänzern noch einen Schauspieler (Hubertus Zorell) zur Seite, der die Positionen der Erwachsenenwelt vertritt. Schauspieler spricht, Tänzer tanzen: Dass Interaktion meist nur pantomimisch passiert, ist der einzige Schwachpunkt dieser skurrilen Performance im Theaterhaus für junges Publikum.


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