AUFGEBLÄTTERT

Kultur | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 05/05 vom 02.02.2005

Vorarlberg im 19. Jahrhundert. Franz Michael Felder ist 14 Jahre alt, als er den Hof des verstorbenen Vaters übernimmt. Er fügt sich dem ungeliebten Schicksal, verzichtet aber nicht auf Bildung und abonniert - skandalös! - eine Zeitung. Wenig später wird er die Saturierten unter den Alpenländlern das Fürchten und seinesgleichen, die Armen, das Hoffen lehren. Indem er in seinem Heimatdorf Schoppernau eine Dorfbibliothek initiiert und zu etwas anstiftet, das als gefährlich gilt: Lesen. "Aus meinem Leben" heißt die Autobiografie des ersten Vollerwerbslandwirts, der gedruckt und als Schriftsteller anerkannt wurde. Obwohl sie zu den atemberaubendsten Büchern gehört, die Zugang zu einer alles andere als guten alten Zeit gewähren, zählt sie nicht zum Kanon der Klassiker. Dabei kann sie es locker mit Analogem wie Moritz' "Anton Reiser" aufnehmen.

  Felder war mehr als ein erstklassiger Stilist und bravouröser Analytiker der bäuerlichen Alltagswelt. Er war auch politisch ein Pionier.


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