"Nicht integriert"

Politik | NINA HORACZEK | aus FALTER 06/05 vom 09.02.2005

ASYL II Das Arbeitsmarktservice verweigert einer Asylwerberin die Arbeit und zahlt ihr stattdessen Arbeitslosengeld. 

Wer legal hier lebt, soll hier arbeiten dürfen", versprach Ex-Innenminister Ernst Strasser bereits 2002. Pauline A., Asylwerberin aus Syrien, lebt seit acht Jahren legal in Österreich und hat auch bis vor kurzem gearbeitet. Im Oktober sperrte ihre alte Firma zu. Ein neuer Job ist gefunden, arbeiten darf Pauline A. trotzdem nicht mehr. Ihr neuer Dienstgeber ist nämlich in Niederösterreich. Und die Zwanzigjährige, die seit acht Jahren auf den Abschluss des Asylverfahrens wartet, hat nur in Oberösterreich eine Arbeitserlaubnis.

  Schuld daran ist das Ausländerbeschäftigungsgesetz, nach dem Asylwerber in jedem Bundesland extra um eine Arbeitsgenehmigung ansuchen müssen. "Das Arbeitsmarktservice (AMS) Mistelbach hat ihrem Arbeitsansuchen nicht zugestimmt", sagt Johann Bruckner vom Verein Bewegung Mitmensch, der die Syrerin betreut. Die Länderquote sei erfüllt und die Zwanzigjährige trotz perfekter Deutschkenntnisse und einem Hauptschulabschluss "nicht fortgeschritten integriert". Also gibt's keine Beschäftigungsbewilligung. "Wir hätten Frau A. sehr gerne angestellt", sagt Karl Vaverka, Geschäftsführer der Firma Carova im niederösterreichischen Seyring, "stattdessen drängt das AMS einen arbeitswilligen jungen Menschen auf Kosten der Allgemeinheit in die Arbeitslosigkeit."

  Die Asylkoordination Österreich fordert Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (ÖVP) in einem offenen Brief auf, der jungen Asylwerberin persönlich zu erklären, wieso sie trotz Jobangebots nicht arbeiten darf. "Wir können es nämlich nicht", sagt Heinz Fronek von der Asylkoordination. Wirtschaftsminister Bartenstein will den Fall nun von seinen Experten prüfen lassen.


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