AUFGEBLÄTTERT

Kultur | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 06/05 vom 09.02.2005

Nebel liegt um Thomas Manns homosexuelle Neigung. Blieb sie unerfüllt - der Fantasie anheim gestellt? Oder war da mehr als die Biografen wissen?

Ja, behauptet der Schweizer Alain Claude Sulzer in seinem Schlüsselroman "Ein perfekter Kellner", der die mondäne Welt der Grand Hotels neu erstehen lässt, vor allem aber einem kleinen Angestellten ein Denkmal setzt - stellvertretend für alle vergessenen Helden der noch verbotenen Männerliebe. Erneste teilt sich mit einer Saisonkraft heimlich das Bett und das Glück, als 1936 der berühmte deutsche Schriftsteller Klinger in ihrer Nobelherberge in den Alpen Quartier nimmt. Der smarte Stubengenosse ist die einzige große Liebe in seinem tristen Leben. Doch Klinger wird ihn sich kaufen und als Privatsekretär und Gespielen mit ins Exil in die USA nehmen. Dreißig Jahre muss Erneste warten, dann bekommt er endlich die Gelegenheit, mit dem vermögenden Dichter abzurechnen. Sulzer hat seine Geschichte eines entbehrungsreichen und doch in Würde


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