STREIFENWEISE

Kultur | MAYA McKECHNEAY | aus FALTER 06/05 vom 09.02.2005

Nicht überall, wo Indie draufsteht, ist auch Indie drin. So gehört das ehemalige Independent-Label der Weinstein-Brüder Miramax inzwischen Disney, während Warner Independent Pictures, als kürzlich gegründetes Beiboot des Entertainment-Giganten, Filmprojekte mit kleineren Budgets produziert, um sich so sein Stück vom internationalen Arthaus-Kuchen zu sichern.

  Am vergleichbaren finanziellen und ideologischen Hintergrund beider Konzerne mag es jedenfalls liegen, dass sich auch deren Produkte mitunter ähneln: "Finding Neverland" ("Wenn Träume fliegen lernen", Miramax, Regie: Marc Forster) zum Beispiel und "A Home at the End of the World" (Warner Independent), deren Titel die Suche nach der lukrativen Nische widerzuspiegeln scheinen. Beide sind herzerweichende Hochglanzdramen, deren Helden an der Verwirklichung ihrer Träume melodramatisch scheitern; beide sind Süß-sauer-Filme, deren Scores - klassische Streicherarrangements im Fall von "Finding Neverland", Alternative Pop bei "A Home at the End of the World" - das Publikum beim emotionalen Auf und Ab an der Hand nehmen.

  "Finding Neverland" präsentiert Johnny Depp als exzentrischen Autor des Kinderbuchklassikers "Peter Pan", der sich im viktorianischen London mit einer sterbenskranken Witwe (Kate Winslet) und deren Buben anfreundet und die kleine Familie ins Reich seiner Fantasie entführt: ein hübsches, nicht ganz unsympathisches Märchen, dessen glatte Bilderwelt direkt nach der Vorführung ins Nichts verpufft. Ähnlich ergeht es einem mit "A Home at the End of the World", dem Kinodebüt des Broadway-Musical-Regisseurs Michael Meier, das seinem Helden Bobby (Colin Farrell) von den psychedelischen Sechzigern bis in die experimentierfreudigen Achtziger folgt, mit ihm diverse kalkulierte Wildheiten - vom Kiffen über Bisexualität bis zur Rock-'n'-Roll-Attitüde - durchläuft, um ihm schließlich mit einem Unhappy-Ending die konservative Rechnung zu präsentieren.


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