SPIELPLAN

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 06/05 vom 09.02.2005

Michael Niavarani ist drei Jahre jünger als Viktor Gernot, sieht aber mindestens drei Jahre älter aus. Nicht nur deshalb ist er im ersten Duoprogramm der beiden Kabarettisten der Chef auf dem Platz: Neben dem hemmungslos blödelnden Niavarani (Jg. 1968) sieht sein vergleichsweise blasser Kollege Gernot (Jg. 1965) dann doch etwas alt aus. Weil aber die Chemie zwischen den Herren spürbar passt, funktioniert "Gefühlsecht" trotzdem ziemlich gut. Das Programm, das im Kabarett Simpl jetzt alternierend mit der traditionellen Simpl-Revue auf dem Spielplan steht, ist ein entspannter "Abend unter Freunden", an dem Simpl-Chef Niavarani und Hektiker Gernot zumindest so tun, als wären sie ganz privat. Sie beklagen das Los des Komikers ("Wir sind keine Unterhaltungsmaschinen!") und den Verlust von Frauen ("Sie war die große Sackgasse meines Lebens!"), sie parodieren eine Simpl-Revue und singen ein Jacques-Brel-Chanson. Natürlich ist das Mainstream, aber es macht Spaß. Und wie Michael Niavarani beim Cunnilingus aussieht, sollte man schon gesehen haben.

  WalterSeidl nennt sich ein weniger prominentes Wiener Kabarettduo, das noch am Beginn seiner Karriere steht. Nachdem der 32-jährige Gerhard Walter und der 29-jährige Gerald Seidl mit ihrem Debüt "Warum Richard III.?" zwei Kabarettpreise gewonnen haben, zeigen sie im Spektakel (nächste Termine: 10. bis 12.2.) jetzt ihr zweites Programm. Zwar passt das Selbstbewusstsein, das die beiden jungen Männer auf der Bühne an den Tag legen, nicht ganz zu ihrem oft noch etwas linkischen Spiel, aber "Taxameta rennt" ist deutlich runder geraten als der Erstling. In einer etwas umständlich konstruierten Rahmenhandlung erzählen sie die Geschichte zweier Freunde und ihrer Probleme mit Frauen: Dem einen laufen sie immer davon, der andere findet keine. Der Kampf der Geschlechter ist ein dankbares, aber beileibe kein neues Kabarettsujet. Umso beachtlicher, wie viel Situationskomik WalterSeidl dieser Standardsituation abgewinnen konnten.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige